Die Anton Raky AG

Die Anton Raky AG

1919-1934

Der eigentliche Begründer der heutigen SMAG war Anton Raky. Er kam 1919 von Erkelenz / Rheinland nach Salzgitter und baute in Klein-Mahner seinen ersten Betrieb, ein Unternehmen für Tiefbohrungen, auf. Es dauerte nicht lange und es wurden Fahrzeuge, Maschinen, Bohrgeräte sowie Personal von Erkelenz nach Salzgitter verlegt. In einer kleinen Werkstatt wurden Reparaturen an den für Erzbohrungen im Salzgittergebiet eingesetzten Maschinen und Geräten. getätigt. Da die Geschäfte gut liefen musste expandiert werden. Leider gab es in Klein-Mahner kein Land zu kaufen und auch ein dringend zum Maschinentransport benötigter Eisenbahnanschluß nicht vorhanden war, begann Anton Raky im Jahre 1920 in Salzgitter-Bad einen neuen Betrieb aufzubauen. Dieser Betrieb konnte in den folgenden Jahren erheblich ausgebaut werden. Schon bald beherbergte das Fabrikgelände eine Werkzeugmacherei, Elektrowerkstatt, Schlosserei, Dreherei, Schmiede, Fräserei sowie ein Sägewerk.

Anton Roky, setzte seine modernen Geräte sowie seine Bohrmannschaften im In- und Ausland, wie z.B. in Rumänien, ein. Man spezialisierte sich auf Bohrungen nach Erdöl und die Erschließung von Erzvorkommen im Salzgittergebiet. Am 06.11.1923 wurde der Betrieb in die neue Firma „Bergbau AG Salzgitter“ umgewandelt. Die Anteilhaber waren Anton Raky, W.Sievers, Adolf Fricke, Robert Stenzel und Joachim von Kaltenborn-Stachau. Schon 1928 betrug die Belegschaftsstärke über 600 Personen. In den Werkhallen wurden Reparaturen am eigenen sowie auch an fremdem Bohrgerät vorgenommen. Die Energieversorgung des Werkes war für die damalige Zeit hochmodern. Energie wurde über Dampflokomobile erzeugt. Licht und Notstrom gewann man über Deutz-Motoren und Batterie- Aufladegeräte. Das Gas wurde durch Koksvergasung mittels Generator gewonnen. Dann kam 1923 die Inflation. Da das Geld jeden Tag an Wert verlor, wurden die Arbeiter täglich ausgezahlt.

Im Sommer 1932 musste zur Abwendung eines drohenden Konkurses das gerichtliche Vergleichsverfahren beantragt werden. Weitere Mitarbeiter wurden entlassen. Gerade zu diesem Zeitpunkt bewies die Belegschaft Anton Rakys ihre Treue. Der größte Teil seiner Bohrmannschaften und der Salzgitter-Belegschaft arbeitete noch monatelang nach der Zahlungseinstellung weiter. Im Mai 1934 wurde das Anschluß- Konkursverfahren über das Vermögen dieser Gesellschaft eröffnet. Um nun die Möglichkeit zu schaffen, den im Jahre 1932 zum Erliegen gekommenen Betrieb der „Anton Raky Tiefbohrungen AG“ wieder in Gang zu bringen, entschloss sich der Gläubigerausschuss im Jahre 1934, den im Besitz der insolventen Firma vorhandenen unbelasteten Mantel der „Bergbau AG“ zu verwenden. Der Gläubigerausschuss pachtete den Betrieb und eröffnete ihn mit dem Namen „Bergbau AG“ wieder. Die ehemaligen Mitarbeiter wurden wieder eingestellt und es gelang, Bohraufträge nach Erz und Öl zu erhalten und damit die alte Belegschaft zum Teil zu beschäftigen.

1937-1946

Am 05. August 1937 übernahm die Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe, die damaligen Reichswerke, das restliche Vermögen der Anton Raky Tiefbohrungen AG, zuletzt Bergbau AG. Zu diesem Zeitpunkt umfassten die vorhandenen Werkstätten etwa 15.500 qm und die Belegschaftsstärke belief sich auf ca. 240 Mann. Im Laufe der nächsten Jahre wurden die vorhandenen Werkstätten auf 46.300 qm vergrößert sowie die Belegschaftsstärke erheblich erhöht. Es wurden neue Maschinen angeschafft, z.B. für die Schlosserei, Dreherei und Schmiede. Die Verwaltungs- und Lagerräume wurden erweitert oder neu gebaut. So entstanden auch neue Waschkauen und ein Kasino.

Die Reichswerke nutzten ihren neuen Betrieb als Reparaturwerk und Montageunternehmen für die übrigen Betriebe, vor allem für den Erzbergbau. Nach und nach wurde ein neues Fertigungsprogramm für den Bau von Maschinen entwickelt, die Stahlbaufertigung einschließlich Montage kam hinzu sowie die Erzeugung von Pressgasen wurde aufgenommen. Für den Vorrichtungsbau wurden die Werkzeugmacherei und Härterei modernisiert bzw. komplett erneuert. Es wurden schwere Hebewerke gebaut. Für die Montage wurden neue Kolonnen zusammengestellt, die die Bohrfelder betreuten.

Aufträge aus dem Ausland wurden bearbeitet. So gab es z.B. einen Großauftrag aus Rußland über 10 fahrbare Autowinden; der Bohrvorschub war hierbei hydraulisch ausgelegt. 2 oder 3 der fertigen Anlagen sind noch bis nach Hamburg versandt worden, jedoch aufgrund des Kriegsausbruchs nie in Rußland angekommen. Eine Aufwärtsentwicklung war auch bei der Abteilung Stahlbau festzustellen. Nur die Leistungen des Bohrbetriebes gingen infolge des Kriegsausbruchs zurück. 1941 wurde ein weiterer entscheidender Schritt getan, die Fertigung der Bergbaumaschinen ging in Serie.

Im gleichen Jahr wurde der Bahnbetrieb ganz aus der Bergbau AG herausgenommen und zusammen mit dem Schachtbausektor der Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten in die neu gegründete Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrungs GmbH eingebracht. Es wurde in der außerordentlichen Sitzung der Hauptversammlung der Beschluss gefasst, den bisherigen Firmennamen Bergbau AG in Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hüttenbedar (AGBH) zu ändern. Das Unternehmen erreichte eine Gesamtbelegschaft von ca. 2.800 Mann. Diese Belegschaftsstärke konnte jedoch nur durch ausländische Dienstverpflichtete erreicht werden. Das Fertigungsprogramm im Hauptwerk während der Kriegszeit bestand hauptsächlich aus Salzgitter-Ladern, Schrapper-Ladern, Haspeln. Daneben gab es sogenannte Sonderprogramme wie z.B. Scheinwerferbettungen, Wasserbohrgeräte, Motorschlitten (für den Einsatz in Rußland gedacht) und das Siebelprogramm. Dies waren 2teilige Sturmboote, die für das Übersetzen nach England vorgesehen waren, aber nie zum Einsatz gekommen sind. In den Außenbetrieben wurden kleine Heeresaufträge ausgeführt, wie Führungsringe für Geschosse usw. Da Kupfer, das normalerweise für diese Führungsringe verwendet wurde, knapp war, verarbeitete man Sintereisen. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, wurde sogar in den Windmühlenberg ein Stollen getrieben, in dem weiter produziert werden konnte.

Am 10.April 1945 besetzten die einrückenden Amerikaner das Werk. Die Information über die Besetzung durch die Amerikaner war jedoch schon vorher durchgesickert und die Dienstverpflichteten begannen, Einrichtungen des Betriebes zu demolieren, zu plündern und bewegliche Teile aus den Fenstern zu schmeißen. Durch diesen Zusammenbruch musste das Werk belegschaftsmäßig auf ca. 200 Mann reduziert werden. Die Amerikaner hatten während der Besetzung des Werkes nichts zerstört. Sie haben lediglich die Werkstätten zur Reparaturbetrieb ihrer Fahrzeuge genutzt. Der totale Stillstand im Betrieb dauerte nur etwa 2 Wochen. Danach kamen die ersten Mitarbeiter wieder zusammen und starteten mit den Aufräumungsarbeiten. Zu den ersten Arbeiten gehörten Brückenreparaturen, damit der Verkehr auf Straße und Schiene wieder anlaufen konnte, Dachbinder wurden gefertigt. Nebenbei wurden diverse Kleinteile für den Haushalt hergestellt, z.B. Schöpfkellen, Rübensaftpressen, Tabakschneidemaschinen. Ab 1946 begann der Aufbau eines geänderten Produktionsprogramms und vor allem einer neuen Verkaufsorganisation. Das Werk erhielt neues Führungspersonal. Das Produktionsprogramm wurde erweitert durch Wiederaufnahme der Konstruktion und Fertigung von Bohrgeräten und Ölfeldeinrichtungen. Nach der Währungsreform wurde das Grundkapital neu festgesetzt. Es wurden modernste Bohrgeräte für Erdölbohrungen und Olfeldeinrichtungen entwickelt und gefertigt. Die Belegschaftsstärke betrug zu dieser Zeit 1.350 Mann.

1950-1977

Ab 1950 erfolgte eine weitere Erweiterung des Produktionsprogramms mit der Herstellung von Apparaten und maschinellen Einrichtungen für die Zuckerindustrie. Auch die Abteilung Stahlhoch- und Brückenbau nahm an Bedeutung zu. Trotz stärkster Konkurrenz und der Vielzahl von Stahlbauanstalten war auch diese Abteilung in den letzten Jahren gut beschäftigt. Um alle vorhandenen Werkseinrichtungen möglichst gleichmäßig auszulasten, wurde außerdem die Fertigung von Walz- und Hüttenwerksanlagen nach Fremdkonstruktionen der Firmen DEMAG, Kocks, Sack und Schloemann aufgenommen. Durch die Hereinnahme dieser Fertigung hat das Werk aber auch die Möglichkeit, bei eintretenden Absatzschwierigkeiten eigener Erzeugnisse bis zu einem gewissen Grade die Beschäftigung zu sichern.

Die unter dem Namen Salzgitter; im In- und Ausland bekanntgewordenen Erzeugnisse der Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hüttenbedarf (AGBH) veranlassten die Geschäftsleitung, einen zugkräftigeren Namen zu wählen. Es wurde mit Zustimmung des Aufsichtsrates und der Hauptversammlung am 2. November 1951 der Firmenname in Salzgitter Maschinen Aktiengesellschaft (SMG) umbenannt. Unter diesem Namen hat das Unternehmen im In- und Ausland große Bedeutung erlangt.

Der wachsende Bedarf an leistungsfähigen Bergwerksmaschinen führte in der Folge zu einer Reihe von Neuentwicklungen auf diesem Gebiet. Der steigende Einsatz von Salzgitter-Bergwerksmaschinen im Ruhrgebiet veranlasste das Unternehmen, in Essen eine eigene Reparaturwerkstätte mit Service-Dienst zu errichten. Das emporstrebende Werk konnte von Jahr zu Jahr seine Umsätze steigern und vielen Bewohnern im Großraum Salzgitter im steigenden Maße Arbeit und Brot geben. Eine Vertriebsorganisation mit zahlreichen Vertretungen trug den Namen Salzgitter in alle Welt. So wurde z.B. im November 1954 in Südafrika eine Tochtergesellschaft, die Salzgitter South Africa (PTY) Ltd. in Johannesburg gegründet, die den Bergbau und andere Industrien Südafrikas mit im Lande gefertigten Salzgitter Maschinen beliefert und durch die ihr gehörende Engineering & Maintenance (Pty.) Ltd. den Reparatur- und Kundendienst betreibt.

In dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden weltweite Verbindungen hergestellt, Lizenzverträge abgeschlossen und Neuentwicklungen durchgeführt. Geräte und Maschinen, wie z.B. der Salzgitter Raupen- und Seitenkipplader, Salzgitter Hydraulikstempel, Salzgitter-Bunkerzug, die Salzgitter Bänder und Salzgitter Saugbohranlagen festigten den Ruf des Unternehmens. Der Salzgitter-Mast als Wahrzeichen und Symbol der internationalen Ausstellung zum 6. Welt-Erdöl-Kongreß in Frankfurt / M. war zugleich Wahrzeichen und Symbol für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Der bisher zum Lieferprogramm der SMG gehörende Stahlhoch- und Brückenbau wurde Mitte 1955 mit den Stahlbauabteilungen anderer Konzernfirmen zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt. Im Geschäftsjahr 1955/56 wurde das Zweigwerk Herne aufgebaut, wo die Produktion von hydraulischen Grubenstempeln anlief. Die Aufnahme der Serienfertigung erfolgte im Frühjahr 1957.

Im Interesse eines verbesserten Kundendienstes wurde im Geschäftsjahr 1960/61 in Neunkirchen /Saar ein Reparaturwerk für Salzgitter-Hydraulikstempel errichtet, im Oktober 1961 in Betrieb genommen und im Jahr 1972/73 wieder geschlossen. Zum 1.10.1975 wurden die Eisenhütte Prinz Rudolph in Dülmen und die SMG zusammengelegt. Im gleichen Geschäftsjahr erwarb die SMG 74% der Geschäftsanteile der Salzgitter-Cortix Industrie- und Bergbautechnik Vertriebs GmbH. Im Februar 1976 wurde die Industrie- und Handelsgesellschaft für mechanische Konstruktionen Salzgitter Hellas A.E. in Athen gegründet. Am 1.10.1977 erfolgte die Fusion der SMG mit der Salzgitter Stahlbau AG (SASTA) und es entstand der neue Firmenname „Salzgitter Maschinen und Anlagen AG“ (SMAG).

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