Das Kniestedter Herrenhaus

Das Kniestedter Herrenhaus

Der Ort und das Geschlecht derer von Kniestedt wurden zu Beginn des 13.Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Flurbezeichnungen und archäologische Funde deuten auf einen Wallhof oder sogar eine Burg als erster Sitz des Geschlechts auf dem Gebiet des späteren Guthofes hin.

Friedrich von Kniestedt errichtete Anfang des 16. Jahrhunderts unweit der Kniestedter Kirche eine Gutsanlage, deren ältester Bau das 1533 angelegte Kniestedter Gutshaus war. Der Fachwerkbau diente der Familie als Wohnsitz auf dem damaligen sogenannten Unterhof. Als um 1975 die Nord-Süd Straßeausgebaut wurde, brach man dieses Haus ab und baute es im heutigen Rosengarten nahe des Tilly- Hauses wieder auf.

Das größere, steinerne Herrenhaus wurde von Julius Kniestedt zu Beginn des 18.Jahrhunderts erbaut. Das Steinhaus wurde von Julius von Kniestedt bis zu seinem Tode bewohnt. Ihm folgte sein unverheirateter Sohn Burghard von Kniestedt (1702 bis 1765). Nach dessen Tod fiel das Gut an den Burgdorfer Zweig der Familie.

1790 wurden am Gebäude umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig. Es wurden neue Gewölbe eingezogen, die Haupttreppen wurden erneuert und die Gewölbe im Stallbereich durch eine Holzbalkendecke ersetzt. Auch das Äußere des Gebäudes erfuhr über die Zeit Veränderungen. Einige Ochsenaugenfenster im Stallteil wurden vergrößert und eine Barockisierung des Dachs durch Abwalmung vorgenommen.

Die Besitzverhältnisse der Gutsanlage änderten sich 1853 nach dem Tode von Louise Charlotte von Kniestedt (1779 bis 1853), der Witwe des 1765 geborenen Friedrich Julius von Kniestedt, der bereits am 6.November 1825 gestorben war.

Kniestedt fiel an den Landesherrn, den König von Hannover, als Rechtsnachfolger des Fürstbischofs von Hildesheim zurück. Der König übertrug das Gut dem Erblandmarschall Georg Herbert Graf zu Münster (1820 bis 1902), dem neben anderen Besitzungen auch Schloß Derneburg gehörte. Am 4. Juli 1870 erwarb der Graf zu Münster Kniestedt als Eigenbesitz. Nach dem Tode seines Vaters erbte Alexander Graf zu Münster (1858 bis 1922) unter anderem auch das Gut Kniestedt. Ihm folgte 1923 als Erbe Oberstleutnant a.D. Wladimir Graf zu Münster (1886 bis 1954) der das geräumige Herrenhaus mit seiner Familie 13 Jahre lang bewohnte.

Das gesamte Besitztum des Gutes wurde 1938 durch die Reichswerke Hermann Göring AG enteignet. Graf zu Münster und seine Familie siedelten nach Winnerod bei Gießen um. Sie übernahmen dort ebenfalls eine Landwirtschaft mit einem eigenen Gutshof.

Von 1945 an wurden die Räumlichkeiten des einstigen Herrenhauses als Wohnungen für Kriegsflüchtlinge und sozial Schwache genutzt. Um 1963 beherbergten die Stallgebäude eine Hühnerfarm. Dort wurden durchschnittlich 10.000 Legehennen in 4 Ställen gehalten, dazu kamen 2.500 Küken in einem Aufzuchtstall. 1973 erwarb die Stadt Salzgitter das Gutsgelände von der Salzgitter AG. In den nachfolgenden Jahren stand das Gebäude leer. 1976, als der Ausbau der Braunschweiger Straße erfolgte, verlor die geschlossene Hofanlage durch den Abriss verschiedener Wirtschafts- bzw. Nebengebäude ihren einstigen Charakter.

Unter Aufwendung erheblicher finanzieller Mittel und mit Unterstützung von Bund und Land Niedersachsen (2,4 Millionen DM Zuschuss) ließ die Stadt Salzgitter das historische Gebäude ab 1991 für insgesamt ca. 5 Millionen DM vollständig renovieren. Die historische Bausubstanz wurde dabei soweit wie möglich erhalten und im Stil des 18. Jahrhunderts restauriert. Die Sicherung der Bausubstanz bereitete damals die größten Probleme. Grund dafür waren die viel zu kleinen Fundamente, die seinerzeit auf einem sumpfigen Untergrund des Warnebettes gesetzt worden waren. Bereits wenige Jahrzehnte nach Baufertigstellung waren deshalb einige Deckengewölbe eingebrochen. Folglich erhielt das Herrenhaus ein neues, stabiles Fundament. Die sehr brüchigen Deckengewölbe wurden durch Einbringen einer zusätzlichen Betondecke weitgehend entlastet. Auch das baufällige Dach wurde komplett erneuert.

Nachdem lange nach einem Verwendungszweck gesucht wurde (anfangs dachte man darüber nach, hier den städtischen Bauhof einzuquartieren), richtete man hier nach dreijähriger Bauzeit eine Zweigstelle der Volkshochschule Salzgitter sowie eine Tagesstätte für Senioren ein. Am 18.02.1994 wurde das Kniestedter Herrenhaus offiziell seiner neuen Bestimmung übergeben.

Und da zu einem herrschaftlichen Anwesen auch ein herrschaftliches Umfeld gehört, plante man, passend zur strengen Fassade des Hauses, im Stile des Barocks einen entsprechenden Vorgarten. In einem Entwurf zur Umgestaltung hatte das Garten- und Friedhofsamt Kosten in Höhe von 550.000,00 DM angesetzt. Danach wären vor dem Haus allerlei Beete und Wege im harten Muster angelegt worden. Leider verhinderte die damalige angespannte Haushaltslage der Stadt diese Pläne und es kam nur eine abgespeckte Gestaltungsversion zum tragen.

Eigentlich war auch die Renovierung des noch heute leer stehenden, ehemaligen Schafstalls geplant. Er sollte für kulturelle Veranstaltungen bereitstehen, für die in der Kniestedter Kirche nicht genügend Platz sei. Der Ortsrat Süd hatte angedacht, hier dasStadtarchiv unterzubringen.

Es ist sehr erfreulich, das sich das Gebäude durch das städtische Arrangement nach einer wechselhaften Geschichte erneut mit Leben erfüllt hat. Das Kniestedter Herrenhaus an der Braunschweiger Straße kann sich heute wieder im einstigen Glanz präsentieren.

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