Das Tillyhaus

Das Tillyhaus

Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1626, standen sich in Norddeutschland die Heere der protestantischen und katholischen Fürsten gegenüber. Der 1559 im wallonischen Braband geborene Johann Tserclaes Graf Tilly, der Feldherr der katholischen Liga, befand sich mit seinen Truppen im oberen und mittleren Leinetal. Der Dänenkönig Christian IV, Feldherr des Niedersächsischen Kreises, hielt die Festung Wolfenbüttel. Christian von Dänemark stellt sich am 27. August 1626 zur Schlacht bei Lutter. Durch den entschlossenen Angriff Tillys verlor Christian die Hälfte seines Heeres, die ganze Artillerie und entkam nur mit Mühe der Gefangennahme. Am Morgen des 29.August verlegte der Feldherr Tilly sein Hauptquartiert nach Salzliebenhall. Welches Gebäude er bezog, ist nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich war es ein Vorgängerbau des heutigen Tillyhauses oder die an der Warnestraße gelegene, sogenannte „Charlottenburg“, der salzgitteraner Sitz der Familie von Schwicheldt. Jedenfalls muss dieses Ereignis seinerzeit so beeindruckend gewesen sein, dass man fortan vom „Tillyhaus“ sprach.

Der Überlieferung nach, soll das Haus ca. 1608 während der Regierungszeit von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig/Wolfenbüttel errichtet worden sein. Vermutlich ist der Bau jedoch erst etwa 100 Jahre später entstanden. Das Tillyhaus war als Wohn- und Verwaltungssitz für den Salinenpächter- bzw. Verwalter gedacht. 1879 eröffnete die Ehefrau des damaligen Salinenpächters, Emilie Hascher, in der Waschküche hinter dem Tillyhaus eine Art Badestube. Hier verabreichte sie in 2 hölzernen Wannen die ersten Solebäder. 1926 ging das Gebäude in privaten und am 01.07.1977 in städtischen Besitz über.

Zwischen Frühjahr 1978 und Sommer 1979 wurde der Ausbau bzw. die Restaurierung des alten Tillyhauses durchgeführt. Der Treppenaufgang und das Treppenhaus wurde nach alten Vorbildern erneuert. Es wurde ein Außenzugang zum Kellergewölbe geschaffen und es erfolgte eine Erneuerung des nördlichen Anbaues. Alle im Erdgeschoss liegenden Tragwände mussten erneuert werden, da die Holzschwellen nicht mehr tragfähig waren. Das Dach wurde umgedeckt. Hier verwendete man Ziegel, die denen des Kniestedter Gutshauses entsprachen.

Bei den erforderlichen Tiefbauarbeiten stellte man fest, dass der unter dem Gebäude liegende Keller wahrscheinlich zu einem anderem, älteren Gebäude gehörte. Leider ging bei der durchgeführten Restaurierung der Fachwerkfelder die am östlichen Giebel befindliche Holzverander verloren. Die Umbaukosten betrugen 942.000,00 DM. Die Stadt Salzgitter erhielt hier Zuschüsse vom Bund und des Landes Niedersachsen in Höhe von 427.000,00 DM aus dem Programm für Zukunftsinvestitionen.Das Gebäude wurde über die Zeit verschiedentlich genutzt. Zu den bekanntesten Bewohnern des Tillyhauses gehören zum Beispiel die Geologen Albert und Urban Schloenbach, der Gründer des Eisenwerks Salzgitter, Emil Langen oder der Dichter und Jugendfreund von Goethe August Siegfried von Goue. Um 1960 beherbergte das Gebäude eine Heißmangel. Aber auch viele Vereine und Institutionen wie z.B. die Deutsch-Französische-Gesellschaft, der Kulturkreis, der Kreissportbund oder die Kleine Galerie Tillyhaus sind oder waren im Tillyhaus vertreten. Zu Ehren der weltweit bekannt gewordenen Wandermusikanten, die „Klesmer“, ist hier eine Klesmerstube eingerichtet worden.

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