Der Greifpark

Der Greifpark

und die Kalischachtanlage „Fürst Bismarck“

Über der Stadt, auf dem südlich gelegenen Greif, befand sich einst die Kalischachtanlage „Fürst Bismarck“.

Nachdem man im nahen Thiede und Vienenburg bereits das für die Bodendüngung begehrte Kalisalz zu Tage förderte und dort auch beträchtlichen, daraus resultierenden Profit ver-zeichnete, begann man auch in Salzgitter nach Kalivorkommen zu suchen.1887 beauftragte der Kniestedter Landwirt Hermann Dannebaum eine Bohrfirma mit Kalibohrungen unterhalb des Hamberges. Da die skeptischen Bauern Kniestedts sich aber zunächst weigerten auf ihren Feldern weitere Bohrversuche zuzulassen, wich man in die Gemarkung Salzgitter aus. 1888 begann man dann im Bereich der heutigen Kreuzung Bismarckstraße/Hinter dem Salze mit den ersten Bohrungen. Obwohl hier nur wertlose Steinsalze gefunden wurden, kam 1889 das Gerücht auf, dass man Kalisalzvorkommen festgestellt hat. Das führte dazu, dass 1890 die „Kalibohrgesellschaft Salzgitter AG“ gegründet wurde, an der vor allem auch der Bauer Dannenbaum beteiligt war. Da hier aber nicht das gewünschte Ergebnis zu Tage gefördert wurde, fanden die herausgegeben Aktien kaum Beachtung.

Nach weiteren erfolglosen Erkundungsbohrungen in der Gemarkung Kniestedt, nahm der Bohrunternehmer Dörfer 1894 die Suche nach Kali in Salzgitter wieder auf. 1895 wurde öffentlich gemacht, dass hinter Eggelingslust, auf dem Greif, abbauwürdige Kalisalzvorkommen entdeckt wurden. Daraufhin wurde die „Kalibohrgesellschaft Salzgitter AG“ am 01. April 1896 in die „Gewerkschaft Schüssel“ umgewandelt. Die Bauarbeiten des Kalibergwerkes begannen am 17.April 1896 und am 01. April 1897 bekam der Schacht mit Zustimmung des Altreichskanzlers den Namen „Fürst Bismarck“. Es entstand eine weiträumige Übertageanlage mit Kesselhaus, Fördergerüst, Schachthalle und Zechenhaus. Die Baukosten betrugen bis 1899 sage und schreibe sieben Millionen Goldmark. An der heutigen, unteren Bismarckstraße wurden 4 Wohnhäuser für Arbeiter erbaut und es wurde ein Bahngleis bis hinunter zum Bahnhof verlegt, das die Schachtanlage mit der Bahnlinie Braunschweig-Seesen verband. Der Bau einer Chlorkaliumfabrik wurde allerdings seitens der zuständigen Behörden nicht genehmigt, da geplant war, die Abwasser dieser Fabrik in die Warne bzw. Innersten abzuleiten.

In Erwartung schnellen Reichtums entstand in der Bevölkerung eine regelrechte Euphorie. Man gab Bergwerksanteile mit einem Nennwert von bis zu 200 Mark je Stück heraus, die später bis zum fünffachen dieses Betrages gehandelt wurden. Um die Suche nach Kali weiteres Kapital in Höhe von 1 Million Goldmark zu beschaffen, wandelte man die „Gewerkschaft Schüssel“ im Jahr 1900 in die „Aktiengesellschaft Kaliwerke Salzgitter“ um. Mit großem Aufwand ging die Suche nach Kali weiter. Mittlerweile verfügte das Kalibergwerk Fürst Bismarck mit seiner 1075 Meter tiefen Sohle über den zu seiner Zeit tiefsten Salzschacht Europas. Die Suche nach Kalivorkommen blieb aber immer noch erfolglos.

Den Verantwortlichen wurde es jetzt wohl langsam bewusst, dass es hier keine gar keine Kalivorkommen gab. Herangezogene Experten bestätigten dies. Aufgrund der hohen Investitionen und der zahlreichen Anleger die zum Teil ihr ganzes Privatvermögen in das Unternehmen investiert hatten, traute man sich nicht, mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zugehen.  Ein Laugeneinbruch auf der 1075 m-Sohle am 28. März 1903 kam der Betriebsleitung gerade recht und das Bergwerk wurde umgehend stillgelegt. Das endgültige Aus des Kaliwerks Salzgitter kam 1904 als Pioniere der kaiserliche Armee aus Magdeburg den Schacht verfüllten und die Bauten über Tage sprengten. Die „Aktiengesellschaft Kali-werke Salzgitter“ erwarb neue Bergwerksgerechte in Wolkramshausen und verlegte ihr Unternehmen als „Kaliwerk Ludwigshall“ nach dort. 1912 ging der Konzern in den Besitz der deutschen Kaliwerke über. Ob es am Greif tatsächlich Kalivorkommen gab, ist nach heutigen Erkenntnissen eher unwahrscheinlich. Die damals vorgefundenen Salze waren wohl nur minderwertige Triassalze und Zechsteinsalze.

Der Greifpark

Im Laufe der Zeit wucherten die Mauerreste der Schachtanlage zu, bis sich Reinhard Martin Stoot genannt „Onkel Stoot“ dem verwaisten Gelände annahm. Das Gelände wurde nach dem ersten Weltkrieg von arbeitslosen, jungen Männern und Kindern unter Anleitung von Onkel Stoot in eine Grünanlage mit Bäumen, Büschen und Grünflächen umgestaltet. Es wurden Trümmer beseitigt und das Gelände planiert. Die Trasse der alten Kalibahn bildete das Fundament für den Birkenweg und aus den Steinresten und Schutthalden des Kaliwerkes schuf er der Märchenwelt entlehnte Figuren und Baulichkeiten.

Als dann noch die Bäume und Sträucher heranwuchsen und blühten, erfreute sich der sogenannte Märchenwald bei der Bevölkerung großer Beliebtheit und manch sonntäglichen Familienausflug hatte oben im Greifpark sein Ziel. So zum Beispiel wurde der Besucher am damaligen Haupteingang des Parks auf einem Hügel vom „Wilden Mann“, einer übergroßen Statur begrüßt. Offensichtlich wurde diese Figur einer Sagengestalt aus dem Harz nachmodelliert. Bei dem Wilden Mann handelte es sich um einen Berggeist von riesenhafter, robuster Gestalt. Volkskundler vertreten die Meinung, dass er eine ureigene Sagengestalt des Harzes ist.

Ging man den gegabelten Weg nach links, kam man zu „Sieben-Raben-Schloss“. Das Schloss war ein etwa zehn Meter breiter und bis zur der aus der Mitte ragenden Turmspitze etwas sieben Meter hoher Miniaturbau aus Zement. An jeder Ecke befand sich ein kleineres Türmchen und die Mauern waren mit Burgzinnen versehen. Auf den Türmen und Zinnen waren sieben Raben und ein kleines Mädchen zu erkennen. An der Vorderseite des Schlosses führte eine doppelseitige Treppe nach oben. Das Schloss bezieht sich auf das Märchen „Die sieben Raben“ in der Fassung der Brüder Grimm.

Weiter südlich des Schlosses befand sich die Greiftreppe. An den Seitenmauern der Greiftreppe befanden sich beidseitig drachenartige Fabelwesen. Hierbei handelte es sich um den „Vogel Greif“. Der Begriff „Greif“ wird abgeleitet von Greve, Graf und könnte eine Stellenbezeichnung sein, da dieser Platz eine besondere Bedeutung für das Grafenamt hatte. In der Nähe des Greif wird eine Goeiche (Gerichtseiche) erwähnt. Danach könnte die Bezeichnung mit einem Grafengericht in Zusammenhang stehen. 1331 war das Land „uppe dem greve“ im Besitz des Grafen von Schladen. Vermutlich als sein Sinn unklar geworden war, wurde der Name greve zu Greif umgebildet, indem eine volkstümliche Beziehung zum Fabel und Wappentier „Vogel Greif“ hergestellt wurde.

Hielt man sich auf dem rechten Weg des Haupteinganges, dem heutigen Birkenweg, passierte man die Plastiken von „Rotkäppchen und der Wolf“ und gelangte im Bereich der heutigen Tennisplätze zum „Hexenhaus“. Die Wände dieses ehemaligen Geräteschuppen Stoot´s waren mit Flachrelief Motiven aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“ verziert. Hier befand sich dann später auch das beliebte Ausfluglokal „Zur Greifklause“. Am Aufgang vom Felsenkeller her, befand sich ein weiterer Zugang zum Greifpark. Er wurde überspannt von einem Zementbogen, der ein Eingangstor (auch Hindenburg Grotte genannt) aus zusammen geflochtene Birkenstämmen darstellte.  Birken sind damals wie heute namensgebend für den Birkenweg, der sich auf der ehemaligen Kalibahntrasse über den Greif zieht. Wenn man den Weg entlang wandert, ist zu sehen, das einige der alten Birken am Rand der Trasse abzusacken drohen oder auf Grund ihres hohen Alters gefällt werden müssen. Die Stadt ersetzt die alten Bäume regelmäßig durch Anpflanzung neuer Birken. Während des 3. Reiches wurde der besagte „Märchenwald“ als „entartete Kunst“ eingestuft. So wurde in der Ratssitzung von 23. August 1938 die „Entkitschung des Greifparks“ beschlossen. Detailliert hieß es „Die geschaffenen Bauten und Figuren wie das Rabenschloss und der Wilde Mann müssen verschwinden da sie gegen jede Kultur sprechen“.

Am 16.Oktober 1938 brachte sogar die Niedersächsische Tageszeitung eine ganze Seite über die Entstehung und Ausgestaltung des Greifparks. Die einzelnen Bauten und Figuren wurden der Lächerlichkeit preisgegeben. Eine Anfrage beim Pionier-Batl. Holzminden bezüglich der Entfernung der Skulpturen wurde negativ beschieden. Und so wurde das Sieben-Raben-Schloss am 04. Januar 1940 durch die Firma Grundmann, Tief- und Wegebau aus Salzgitter gesprengt. Die restlichen Aufbauten wurden bis 1941 ebenfalls zerstört oder unkenntlich gemacht. In der Ratssitzung vom 31. Juli 1941 wurde die Umgestaltung und Erweiterung des Greifparks beschlossen. Es war vorgesehen, an geeigneter Stelle eine Freilichtbühne zu errichten und einen Pflanzgarten anzulegen. Im März 1942 wurde zur Erweiterung des Parks eine Fläche von 36.008 m² für insgesamt 26.701,50 RM hinzugekauft. Während der letzten Kriegsjahre wurde auf dem Greif eine Stellung für Fliegerabwehrgeschütze eingerichtet.

Erst zwischen 1956 und 1963 wurde die Parkanlage von der Stadt Salzgitter umfassend von Geröll geräumt, ausgebaut und verschönert. Durch Entfernen größerer Fichtenbestände sind die heutigen großen Rasenflächen entstanden. 1989 erfolgte dann nochmal eine landschaftliche Verschönerung des Parkgeländes. Der kleine Lappenspring-Teich an der Bismarckstraße wurde 1965 angelegt. Die endgültige Umgestaltung des Zierteiches erfolgte im Jahr 1987. Die seit Urzeiten zur Trinkwasserversorgung dienende Quelle selbst liegt mehrere Meter unterhalb des Teiches auf der gegenüber liegenden Seite der Bismarckstraße, von wo aus das Wasser Hang auf gepumpt wird.

Die zwei Tennisplätze im Greifpark entstanden Anfang der 1950er Jahre in unmittelbarer Nähe der Greifklause. 1964 wurde die Baubaracke auf der Anlage durch ein neues Clubhaus ersetzt. Am 26.Januar 1978 wurde der Hauptweg im Park als „Onkel Stoot Weg“ benannt. Am 09.10.1994 feierte das Wohnstift am Greifpark mit einem Tag der offenen Tür die Eröffnung der schön gelegenen Seniorenresidenz. Obwohl noch kleinere Arbeiten ausstanden und die Außenanlage noch nicht fertiggestellt war, bezogen bereits am 01.11.1994 40 Bewohner ihr neues Quartier. Am 17.November 1993 versanken in der Mitte des Greifparks Rasen und Büsche in einem etwa 6 Meter tiefen Erdloch, das einen Durchmesser von etwa 4 Meter hatte. Die Polizei verständigte Feuerwehr und Bergamt, da schnell deutlich wurde, dass es sich bei dem Erdloch um eine Restanlage des ehemaligen Kalibergwerks handelte. Das Erdreich war in einem ausgemauerten Schacht abgesackt. Ebenfalls war deutlich der ausgemauerte Eingangsbereich zu einem Stollen zu erkennen. Das Garten- und Friedhofsamt sicherte die Einsturzstelle mit einem Zaun ab.

In der Bevölkerung kam nun die Idee auf, das Loch im Greifpark zur Erinnerung an den Kalischacht Fürst Bismarck als Sehenswürdigkeit zu gestalten. Auch die Stadtverwaltung stand diesem Ansinnen positiv entgegen. So wurde vorgeschlagen, den Schacht mit einer Glasplatte abzudecken und den Stollen zu beleuchten. Das Hochbauamt schrieb für die Gestaltung der Ab-deckung einen Studenten wettbewerb aus. Parallel beschloss der Ortsrat eine Stahlkonstruktion zur Ab-sicherung und Erhalt des Schachtmundes auf Spendenbasis installieren zu lassen, was wiederum zur Verstimmung im Rathaus führte. Und so wurde über die Jahre hin über die Erhaltung des ehemaligen Kalischachtes diskutiert, bis letztlich im Januar 1998 das Loch zugeschüttet und später mit einer riesigen Betonplatte abgedeckt wurde.

Der landschaftlich reizvolle Greifpark, mittlerweile auch Kurpark genannt, bietet heute Einheimischen sowie auch Gästen die Möglichkeit zu ausgiebigen, erholsamen Spaziergängen. In unmittelbarer Nähe des Greifparks befindet sich das Thermalsolbad. Es ist eins der schönsten Bäder zwischen Harz und Heide und wurde 1990 umfangreich modernisiert und erweitert. Mit der Kombination aus Thermal-Sole-Wellenbad, Sauna-Land, Fitness-Treff, den Praxen für Krankengymnastik, Ergotherapie und dem Restaurant-Café steht ein – in der Region – einzigartiges Angebot zur Verfügung. Moderne und altbewährte Behandlungs-methoden und Techniken machen das Thermalsolbad zu einem umfangreichen Gesundheitszentrum.

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