Die Breslauer Straße

Die Breslauer Straße

Um von Kniestedt nach Salzgitter-Bad zu gelangen, überquerte man früher den Bahnübergang im Bereich des Bahnhofvorplatzes. Als dann ab 1938 die neuen großen Siedlungen für viele tausend Menschen auf Kniestedter Gebiet entstanden, wurde ein direkter Weg in die Altstadt notwendig. Die erforderlichen Arbeiten wurden noch während des Krieges begonnen, mussten aber bei Kriegsende abgebrochen werden. Die Arbeiten wurden vorerst auch nach Kriegsende nicht weitergeführt, da die voraussichtlichen Kosten mehr als 500.000,00 Mark betragen sollten und darüber weder die deutschen noch die örtlichen Steilen der Militärregierung entscheiden konnten. Schließlich wurde zumindest bis 1948 ein Unterführungstunnel fertig gestellt.

Mit Anwachsen des Straßen- und Eisenbahnverkehrs in Salzgitter wurde der Bau einer Eisenbahnunterführung neben dem Bahnübergang zwischen der Altstadt und den Siedlungen unentbehrlich. Wie dringlich die Fertigstellung dieser Unterführung war, zeigten die Zahlen der täglich vor den Schranken des alten Bahnübergangs wartenden Fahrzeuge und Fußgänger. Zählungen ergaben, dass an einem Tag die Schranke zwischen 8 und 18 Uhr 63 mal – das waren 4 1/2 Stunden – geschlossen war. 4120 Fußgänger sowie 562 Kraftfahrzeuge mussten vor den geschlossenen Schranken warten. An einem anderen Tag warteten hier in vier Stunden sogar 8075 Personen und 659 Fahrzeuge.

Im Juli 1951 wurde mit einer kleinen Feierstunde der Weiterbau der Unterführung in Salzgitter-Bad verkündet und eingeleitet. Der damalige stellvertretende Oberbürgermeister Heinrich Schneider erklärte in einer kurzen Ansprache, Bevölkerung und Stadt hätten lange genug vor den Bahnschranken und vor den finanziellen Hindernissen warten müssen, bis im Rahmen der Erstausstattung der Stadt der Bund die Mittel bewilligt habe. Anschließend schaufelte Schneider am Nordausgang der Unterführung Erde in die Loren. Mit den Erdarbeiten wurde die Firma Negrelli, mit der Kanalisation der Unterführung und dem Straßenbau die Firma Schmarsel beauftragt.

Mit den Erdarbeiten wurde zuerst begonnen. Die neue Straße begann an der Nordseite, kreuzte die vorhandene Straße zwischen den Schranken und dem Stellwerkhaus der Erzbahn sowie der Ruine des Tailleur-Hauses zur Braunschweiger Straße hin. Die Ruine wurde beseitigt, und auch eine Ecke der großen Tailleurschen Scheune wurde abgebrochen. Da der Unterführungstunnel sehr tief lag, wurde die Straße mit einer Steigung im Verhältnis 1:20 angelegt. Eine weitere Schwierigkeit bot der Übergang der Erzbahn. Die Verlegung der Gleise auf das Gelände der Bundesbahn war zu kostspielig. Man nahm richtiger Weise an, dass in wenigen Jahren der Tagebau der Schachtanlage Finkenkuhle erschöpft sein und der Erztransport schwächer werde. Dann erst sollte der Personenbahnhof der Erzbahn auf die Kniestedter Seite verlegt werden.

Ursprünglich war geplant, dass im Süden des Tunnels die neue Straße genau durch das damalige Schützenhaus führen und auf dem Pfingstanger münden sollte. Diese Pläne scheiterten aber an den Verhandlungen mit der Schützengesellschaft um den Verkauf des Hauses. Deshalb änderte man die Pläne und bildete durch den Bau von zwei Fahrbahnen ein Straßenrund, in dessen Mitte ein Bahnhof für Omnibusse errichtet wurde (der spätere Schützenplatz mit Pavillon). Die neue Straße wurde im Bogen auf die Kaiserstraße geführt.

Am 10. November 1952 – die Einmündung in die Braunschweiger Straße war fertig gestellt – stand die Unterführung kurz vor ihrer Vollendung. Nun mussten die Gleise der Erzbahn um etwa einen halben Meter gesenkt werden. Dies erforderte eine Sperrung des Bahnübergangs an der Kniestedter Straße für die Dauer von 4 Tagen. Für die Fußgänger wurde ein provisorischer Übergang geschafft. Alle Fahrzeuge gelangten in dieser Zeit nur noch über Groß-Mahner oder über die am Städtischen Krankenhaus (Lager 12) an der Bundesstraße 248 bei Gitter einmündenden Straße Gittertor in die Altstadt. Da das Gittertor in einem sehr spitzen Winkel in die Bundesstraße einmündete, empfahl man den Lastwagenfahrern über Groß-Mahner zu fahren, sofern sie nicht aus Richtung Goslar kamen. Die Bundespost, die als einziges Verkehrsunternehmen ihre Haltestelle auf dem Schützenplatz beibehielt, wagte es mit kleineren Omnibussen und ohne Anhänger die spitzwinklige Kurve zu durchfahren. KVG und Bundesbahn verlegten ihre Haltestellen vom Schützenplatz auf die Braunschweiger Straße.

Nach Beendigung der Gleisarbeiten wurde für Kraftfahrzeuge ein einspuriger, provisorischer Übergang angelegt. Die Stadt empfahl, dass auch für diese Zeit die Umgehungsstraßen benutzt werden, da der einspurige Engpass mit Sicherheit zu Verkehrsstockungen führen könnte. Für ortsfremde Kraftfahrer wurden an den Straßeneinmündungen zur Braunschweiger Straße und an allen Straßen in der südlichen Altstadt Hinweisschilder, Umleitungspfeile oder auch Skizzen angebracht, aus denen der einzuschlagende Weg zu ersehen war. Daneben wurden an einigen Straßenkreuzungen oder Abzweigungen Sperrschranken aufgestellt. Die Länge der Umleitung betrugt von der Einmündung der neuen Unterführungsstraße aus über Groß-Mahner 5 Kilometer und über das Gittertor 1,7 Kilometer. 1991 wurde dann wohl einer der größten städtebaulichen Planungsfehler in Salzgitter-Bad umgesetzt. Die Breslauer Straße wurde als Fußgängerzone umgestaltet. Der Ausbau dieser Straße wurde der Gestaltung des kleinen Schützenplatzes vorgezogen. Die Kosten für den Bau des Fußgängerbereiches in der Breslauer Straße wurden seinerzeit mit rund 650.000 Mark beziffert. Die Brücke in der Breslauer Straße, die unter der Bundesbahn hindurch führt, wurde ebenfalls neu gestaltet. Die östliche Röhre wurde für den Anlieger- und Busverkehr vorgesehen. Die ehemalige parallele Fahrbahn wurde für Fußgänger und Fahrradfahrer hergerichtet. Die Abfahrt vom Karstadtparkplatz blieb erhalten. Später wurde auch eine Fahrverbindung in Richtung Bahnhof geschaffen. Für diese Maßnahme fielen 2 Häuser, in denen unter anderem auch die Gaststätte “Milchbar” untergebracht war, zum Opfer. Heute wissen wir, was die Schließung der Breslauer Straße unserer Innen- bzw. Altstadt gebracht hat …

Breslauerstrasse Galerie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.