Die Finkenkuhle

Die Finkenkuhle

Am südlichen Ende des Salzgitter Höhezuges, direkt am Fuß der Heinemanns-Höhe, liegt, für die Öffentlichkeit verborgen, ein kleiner See im Bruchgebiet des ehemaligen, geschichtsträchtigen Tagebaus der Finkenkuhle. Mit Unterbrechungen förderte der Tagebau Finkenkuhle (ursprünglich „Segen Gottes“ oder „Finkelkuhle“ genannt) bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Eisenerze. Nachdem der Förderbetrieb 1930 stillgelegt worden war, nahmen die damaligen Vereinigten Stahlwerke 1935 den Erztagebau Finkenkuhle wieder in Betrieb. Die Reichswerke für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring AG, die am 15.Juli 1937 im Ratskeller Salzgitter (Bad) gegründet wurden, übernahmen am 01.Oktober 1937 alle hiesigen Bergwerksanlage, darunter auch den Tagebau Finkenkuhle. Ziel der Reichswerke war es, die für die Kriegsindustrie erforderliche Erzgewinnung in möglichst kurzer Zeit in die Höhe zu treiben.

Bereits 1938 wurden über 770.000 Tonnen Erz gefördert. 1941 betrug die Förderung dann nur noch 65.800 Tonnen, 1942 allerdings wieder 241.800 Tonnen. Zeitweise waren sechs Löffelbagger sowie zum Abtransport des Erzes 19 Dampfloks mit 190 Förderwagen im Einsatz. Es waren bis zu 300 Bergleute beschäftigt. Ende 1944 wurde die Förderung dann kriegsbedingt eingestellt.

Am 10.April 1945 wurden die noch verbliebenen Bediensteten der Anlage fast ausnahmslos zum Volkssturm aufgerufen. Die vorrückenden amerikanischen Truppen erschienen am gleichen Tag gegen Mittag auf der Anlage. Sie führten den ca. 30köpfigen Werksschutz ab, der aber abends wieder entlassen wurde. Nachmittags erschien eine größere Zahl von Personen (wahrscheinlich befreite, ehemalige ausländische Zwangsarbeiter), die Büroräume und Magazine zerstörten bzw. plünderten. Am 14.04.1945 wurden dann amerikanische Wachen auf dem Gelände aufgestellt, die weitere Plünderungen verhindern konnten.

Bereits im Frühjahr 1946 wurde die Erzförderung wieder aufgenommen. Es konnten in diesem Jahr beträchtliche Erzmengen gefördert werden. Aufgrund der Erzerschöpfung ging die Förderung 1947 drastisch zurück und lag 1949 nur noch bei 10.000 Tonnen. Zu dieser Zeit waren wohl nur noch 50 Mann im Tagebau beschäftigt. Im Herbst 1953 waren die Erzvorkommen endgültig erschöpft, so dass der Tagebau offiziell geschlossen wurde. Während seiner Betriebsdauer in der Zeit zwischen Oktober 1938 und September 1953 wurden ca. 2,5 Millionen Tonnen Roherz gefördert. 1957 wurde eine wasserdichte Verschließung des zum ehemaligen Tagebau führenden Stollenmundloches vorgenommen.

Die über die Zeit angestauten Niederschläge haben einen schönen Bergsee entstehen lassen. Auch die Natur hat die geraubten Gebiete zurückerobert. Das zum Landschaftsschutzgebiet erklärte Gelände ist zwischenzeitlich zum Lebensraum einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt geworden. Neben den heimischen Wildarten wie Reh- und Schwarzwild, Dachs, Iltis und Fuchs, findet sich hier auch der wieder heimisch gewordene Uhu und der zugewanderte Waschbär. Auch vermutet man hier Luchs und Wildkatze. Abschließend ist anzumerken, dass sich dieses Refugium im Bergschadensgebiet befindet und somit das Betreten des besagten Geländes untersagt ist. Aufgrund des häufig absackenden Erdreiches besteht ständige Gefahr für Leib und Leben. Wer sich aber am Anblick des Sees erfreuen möchte kann dies bei einem ausgedehnten Spaziergang zwischen Wendeplatte Jahnstraße unterhalb des Hamberges in Richtung Salzgitter-Gitter tun. Über einen gut ausgebauten Weg, der übrigens stellenweise einen sehr schönen Blick über Salzgitter-Bad biete, erreicht man in Höhe einer Kleingartenanlage rechter Hand eine am Hang liegende Pumpanlage. In diesem Bereich gibt die üppige Vegetation einen kleinen Blick auf den See frei.

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