Die gescheiterte Hoffnung

Die gescheiterte Hoffnung

Die gescheiterte Hoffnung
Hommage a`Caspar David Friedrich

Wohl kaum ein Ereignis erhitze die Gemüter der Sölter Bürger so, wie die Errichtung einer Asphaltplastik an der Braunschweiger Straße. Objekt des Anstoßes war das Kunstwerk „Die gescheiterte Hoffnung – Hommage a`Caspar David Friedrich“ von Professor Paul Isenrath, Rektor der Kunstakademie Münster. Es handelte sich hier um in einem anderen Stadtteil bei Straßenerneuerungsarbeiten aufgenommene Asphaltplatten, die im Bereich der Kniestedter Kirche kunstvoll abgekippt wurden. In der Mitte des Haufens postierte der Künstler einen Kompass – und fertig war das Kunstwerk! Der Künstler verstand die Plastik als Hommage an den Romantiker Caspar David Friedrich und dessen um 1823 entstandenes Bild „Das Eismeer“.

Selbst überregionale Medien wie Radio FFN, der NDR oder das Magazin der „Stern“ berichteten über die „Gescheiterte Hoffnung“. Im Rahmen der Aktion „Kunst überall“ wurden im Umfeld der Kirche noch andere, seltsame Skulpturen aufgestellt. Nur kurze Zeit nach Errichtung des Kunstwerkes gab es im Oktober 1988 heftige Diskussionen in den Ratsfraktionen. Zwei SPD-Ratsherren erstatteten Anzeige gegen das Kunstwerk. Ein Antrag zur Wegräumung sollte eingebracht werden. Der damalige Leiter des Rechtsamtes bezeichnete diese Anzeigen als geschmacklos. Anderseits hieß es aus Kreisen der Politik, man wolle Kunst nicht verteufeln aber wenn man der Meinung ist, das ist keine Kunst, dann muss es erlaubt sein, mit allen Mitteln dagegen zu sein. Professor Isenrath äußerte sich sehr betroffen: „Man begebe sich von der Kritik an einem Künstler auf die Ebene der Machtausübung gegen ihn. Das ist das Dümmste was man überhaupt machen kann“. Isenrath machte darauf aufmerksam, dass er sich an seinen Freund, den bekannten Polit-Karrikaturisten Klaus Staeck gewandt habe, der ihm dazu gerate habe, die internationale Presse in den Streit um sein Werk in Salzgitter einzubeziehen. Isenrath: „Meist bekommen die Politiker dann kalte Füße“.

Die Zeit verging und es war zu beobachten, dass das Kunstwerk auch schon mal anderwärtig genutzt wurde. So z.B. schmückte die Spitze des Asphalthaufens eines Morgens ein für den Sperrmüll vorgesehenes Sofa. Auch ein, von Unbekannten entfachtes Feuer überstand das Kunstwerk nahezu unschädigt. Im Windschatten der Proteste gegen das Isenrath- Werk nutzten unbekannte Bürger die Gunst der Stimmung, um nächtens auch gegen andere Skulpturen aus dem „Kunst überall“-Projekt vorzugehen. Einige Plastiken wurden beschmiert, umgeworfen oder zum Teil zerstört. Nach Wünschen des Ortsrats Süd sollte das Asphaltkunstwerk nach Ablauf des Vertrages am 31.12.1990 verschwinden. Befürworter und Gegner redeten sich über diese Form von Kunst immer noch die Köpfe heiß. Mitten in diese Diskussion, am 12.12.1990 kam dann die Nachricht des Künstlers in der das Schuttdenkmal der Stadt zum Geschenk gemacht wurde.

Auf Anraten des damaligen Leiter des Kulturamtes nahm Isenrath seine Schenkung wenige Tage später zurück. Die Toleranz der Sölter wurde dann noch überstrapaziert, als Isenrath ein „Happening- Begräbnis“ für „Die gescheiterte Hoffnung“ wünschte. Es sollte eine Umbettung stattfinden. Eine private Bürgerinitiative zur „Rettung des Kunstwerkes“ hatte schon entsprechende Kontakte geknüpft. Interesse wurde vom „Elisabethstift“ auf dem Schäferstuhl bekundet und selbst das bekannte Modehaus Beck in München hätte sich das Isenrath-Werk gern aufstellen lassen. Der Ortsrat Süd, der Verwaltungsausschuss sowie der Kulturausschuss beschlossen, das Kunstwerk mit Ablauf des Vertrages wegräumen zu lassen. Folgendes Fax Isenrath ´s erreichte wenig später das Kulturamt der Stadt Salzgitter: „Sagen Sie den Regierenden der Stadt Salzgitter einen herzlichen Götz von Berlichingen. Sie sollen zerstören, was sie nicht ganz lassen wollen“.

2 Tage nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Liegefrist, am Mittwoch, den 2. Januar 1991 wurde die Schuttkunst zur frühen Morgenstunde durch Arbeiter des Straßenunterhaltungsbezirkes Süd beseitigt. Mit schwerem Gerät wurden die Asphaltbrocken auf Lastwagen geladen und zur Bauschutt-Deponie in Gitter abtransportiert. Unter den „Aspahltschollen“ wurde auch der Kompass gefunden, den der Künstler hier beim Aufbau als Teil des Gesamtkunstwerkes hinterlegt hatte. Zu guter Letzt sorgte der Künstler erneut für Aufsehen mit einem offnen Brief an die Stadt Salzgitter in dem es auszugsweise heißt „…ich stelle Strafantrag wegen der Zerstörung der Plastik – Die Stadt hat die Arbeit zerstört ohne mich vorher in Kenntnis zu setzen – Für wen stehen Sie? Für Ihre Bevölkerung? Für Salzgitter? Nein! Für Salz? Nein! Für Gitter? Ich glaube ja. Wer sind Sie? Welcher Partei gehören Sie mehrheitlich an?“.

Des Weiteren forderte Isenrath von der Verwaltung bis zu 50.000,00 DM Schadensersatz. In der Stellungnahme der Stadt Salzgitter hieß es: „Die Stadt brauchte die Zustimmung von Professor Isenrath nicht, um das Kunstwerk abzuräumen. Der Vertrag lief zum 31.12.1990 aus. Herrn Isenrath war bewusst, dass wir die Absicht hatten es abzuräumen“. Die damalige Befürchtung, dass in Folge der Angelegenheit der gute Ruf, den die Stadt bundesweit aufgrund der Aktion „Kunst überall“ genoss, schwinden werde und das viele Künstler, die in Salzgitter ausstellten, ihre Werke zurückfordern oder andere ihre Objekte der Stadt nicht mehr zu Verfügung stellen, ist offensichtlich nicht eingetreten.

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