Die Kniestedter Kirche

Die Kniestedter Kirche

Unter den Gotteshäusern im Stadtgebiet nimmt die ehemalige St. Nicolai Kirche im einst selbstständigen Dorf Kniestedt eine besondere Stellung ein. Sie wurde nämlich 1985 von einem geistlichen in ein weltliches Gebäude umfunktioniert. Das genaue Baujahr der Kniestedter Kirche, heute “Kniki” genannt, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Kirche besteht aus einem Bruchsteinmauerwerk, das rechteckige Schiff ist mit einem Walmdach eingedeckt. Der Kirchturm hat ein quer gelegtes Satteldach. In der Höhe der Glockenstube befinden sich einige kleine Schallöffnungen. Der Turmeingang an der Westseite wurde im 18. Jahrhundert angelegt. Ein rundbogiges Portal an der Nordseite entstand im Jahre 1609 und ist mit Muscheln, Diamantquadern und einem Löwenkopf geschmückt. In der Nische dieses inzwischen zugemauerten Portals wurde wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg eine Tafel mit den Namen der insgesamt 30 kniestedter Männer angebracht, die in diesem Kriege ums Leben kamen.

Anfang des 19. Jahrhunderts machte der schlechte Zustand der Kirche eine umfangreiche Sanierung erforderlich. Die erforderlichen Arbeiten wurden in den Jahren 1814 und 1815 durchgeführt. Dabei wurde zum Beispiel der Fußboden erhöht und gepflastert und die Kanzel im Altar errichtet. Außerdem erfolgte eine Änderung des Eingangs zur Kirche, zwei neue Fenster wurden eingebaut und die Bestuhlung wieder hergestellt. 1817 ließ die Kirchengemeinde den Kirchturm ausbessern und schaffte 1824 eine Orgel an.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich auch der Außenputz der Kirche in einem sehr schlechten Zustand. Die Denkmalpflege verfügte am 5. Dezember 1905 eine Freilegung der Bruchsteine und eine Verfugung des Mauerwerks. Am 13. November 1906 erhielt der Kirchenvorstand die Genehmigung ein neues Geläut anzuschaffen. Die Finanzierung wurde über eine Anleihe sowie über eine Gebührenerhöhung beim Glockenläuten geregelt. Die größere der beiden Glocken wurde 1917 von der Herstellerfirma wieder ausgebaut und zum Einschmelzen der Kriegswirtschaft zugeführt.

1937 gehörten ca. 600 Menschen der evangelischen Kirchengemeinde in Kniestedt an. Einige Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges waren es mehr als 10.000. Die kleine Kirche, die Platz für 300 Gläubige hatte, war somit viel zu klein. Und so wurde 1953 der Grundstein für ein Gemeindehaus am heutigen Martin-Luther-Platz gelegt, dass bereit 1954 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

In dem Neuen Gemeindehaus fanden erheblich mehr Menschen Platz, sodass die Gemeinde mit der Zeit keine Verwendung mehr für den Kirchenbau hatte und die Räumlichkeiten nur noch gelegentlich nutzten. Der “Freitagsabend-Gottesdienst” wurde im Mai 1971 abgesetzt und die letzte Amtshandlung fand hier am 31.März 1972 statt.

Nachdem das Gotteshaus nach Verbreiterung der Braunschweiger Straße in den Besitz der Stadt Salzgitter überging, wusste lange Zeit niemand so recht etwas damit anzufangen. Kulturell engagierte Einwohner aus dem Süden der Stadt traten schließlich mit dem Vorschlag an die Stadt heran, daraus ein Veranstaltungszentrum zu machen. Einige Zeit später wurden dann, mit Mitteln des Landes Niedersachsen, erforderliche Umbauarbeiten vorgenommen. Es wurden kleinere Anbauten im Außenbereich vorgenommen, die den Charakter des Gebäudes nur unwesentlich veränderten. Die Innenräume wurden grundlegend renoviert.

Im Jahr 1985 war die die Kirche dann soweit hergerichtet, dass der Wiener Schauspieler Ernst Stankowski den Veranstaltungsreigen in der Kniestedter Kirche eröffnen konnte. Heute ist die kleine Kirche, in der sich vornehmlich das Kulturamt und die Kleinkunstbühne präsentieren, als überregionales Veranstaltungs-Zentrum nicht mehr wegzudenken.

Sehr schmerzlich jedoch ist die Tatsache, dass der Kniestedter Altar nach den Umbauarbeiten eine neue Heimstätte gefunden hat – und zwar in Salzgitter-Lesse …

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