Die Kohlenhandlung Heinrich Möhle

Die Kohlenhandlung Heinrich Möhle

Die Kohlenhandlung Heinrich Möhle am Gittertor

Hervorgegangen ist die Kohlenhandlung Möhle am Gittertor 10 aus einem von Ferdinand Bergenroth (1857-1930) im Jahr 1882 gegründeten Eisenwarengeschäft. Neben Eisenwaren gab es hier auch Haus- und Küchengeräte, Öfen und Herde, Kolonialund Tabakwaren, Farben, Lacke und Kohlen zu kaufen. Außerdem betrieb man direkt an der Straße eine kleine Tankstelle mit den Benzinsorten „Esso“ und „Standard“. Bergenroth´s einzige Tochter Luise heiratet 1922 den Kaufmann Heinrich Möhle, der wenig später Mitinhaber im Geschäft des Schwiegervaters wird. Nach dem Tode Ferdinand Bergenroth´s führt Heinrich Möhle das Geschäft weiter. 1938 tritt die Firma Wullbrand & Seele aus Braunschweig an Möhle zwecks Verpachtung des Geschäftszweiges Eisenwaren heran. Neuer Pächter wird dann der ehemalige Angestellte der Firma W. & S. Fritz Wunsdorf. Der Laden wird unter dem Geschäftsnamen Bergenroth Nachf. weitergeführt. Wunsdorf spezialisiert sich auf Eisenwaren, Werkzeuge, Baubeschläge, Öfen etc.. 1958 bezog Wunsdorf Räumlichkeiten in der Vorsalzer Straße 8 (ehemals Nehls) wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1962 Eisenwaren und Werkzeuge verkaufte. 1964 erwarb Horst Klapsia das Geschäft von der eingesetzten Erbengemeinschaft und bezog am 1. Dezember 1976 neue Geschäftsräume in der Liebenhaller Straße 4.

Heinrich Möhle führte das Kohlengeschäft und die Tankstelle unter seinem Namen weiter. Nun wurden medizinische und technische Gase (z.B. Lachgas, Sauerstoff, Acetylen) ins Verkaufssortiment aufgenommen. Es wurden mehrere Lastwagen zum Transport von Holz und Kohle angeschafft. 1939 wurde der bei Möhles angestellte Fahrer Blücher samt dem grössten Firmen-LKW an die Front nach Russland eingezogen. Er kehrte nicht wieder zurück. Zur Unterstützung beim Verladen der Kohle halfen 3 französische Kriegsgefangene. Auch nach Kriegsende hatten die Möhles noch freundschaftlichen Kontakt zu diesen ehemaligen Arbeitshilfen.

Nach dem Krieg gab es dann Versorgungsengpässe, da die Braunkohlelieferungen aus dem Osten ausblieben. Die Kohlehandlung konnte nur noch eingeteilte Mengen Kohle an die Bevölkerung weitergeben. Ca.1956 begann die Firma Möhle mit dem Verkauf von Heizöl. In dieser Anfangszeit wurde das Öl für die noch seltenen Ölöfen nur Kannenweise gekauft. Am 01.01.1960 übergab Heinrich Möhle das Geschäft an seinen jüngsten Sohn Heinz-Geert Möhle. Ab diesem Tag hieß die Firma „Heinrich Möhle Inh. Heinz G. Möhle“. Kurze Zeit später verstarb Heinrich Möhle. 1962 wurde der Pachtvertrag über die im Hinterhaus befindlichen Lagerräume der Eheleute Wunsdorf zum Teil gekündigt. Dieses Lager wurde dann für Wohnzwecke umgebaut und die Büroräume zur Tillystraße hin verlegt. 1970 wurde in Salzgitter mehr und mehr das Erdgasversorgungsnetz ausgebaut und die Beheizung der Häuser auf Gas umgestellt. Daraufhin lohnte sich der Verkauf von Heizöl nicht mehr und wurde folglich eingestellt. Der noch vorhandene Fuhrbetrieb (vornehmlich für die Hütte) sowie der Vertrieb von technischen Gasen wurde fortgeführt und erweitert. Die Firma hatte zeitweise über 28 verschiedene Gassorten im Angebot. Im Jahr 1993 verstarb Heinz-Geert Möhle. Der Fuhrbetrieb wurde eingestellt. Die Witwe, Wally Möhle, führte den Gasverkauf noch bis 1997 weiter. Das war auch das Jahr, in dem die so lange bestehende Firma Heinrich Möhle aus dem Handelregister gelöscht wurde.

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