Die Möbeltischlerei Döscher

Die Möbeltischlerei Döscher

Die Bau- und Möbeltischlerei Ch. Döscher am Marktplatz 2

Der Gründer des Unternehmens war Charles Döscher. Geboren wurde er im Jahr 1895 in Cuxhaven. Nach dem 1. Weltkrieg kam er aufgrund mangelnder Arbeitsmöglichkeiten im Küstenraum 1923 nach Salzgitter-Bad. Von ehemaligen Kriegskameraden erfuhr er, dass im damaligen Aufbaugebiet Salzgitter in dem Werk Anton Raky (später SMG) Arbeitskräfte gesucht wurden. Vorerst fand Ch. Döscher aber Arbeit in Sehlde als Tischler bei der Firma Niemeier. Seine erste Wohnung befand sich unterm Dach im Haus von Zahnarzt Vogelsang an der Kaiserstraße Ecke Vöppstedter Tor. Die Ehefrau von Charles, Else Döscher, folgte 1924 nach Salzgitter. Sie stammte aus einem Geschäftshaushalt in Cuxhaven und fand hier in Salzgitter nach einiger Zeit Arbeit im Bankhaus Sievers. Die Kinder der Döscher´s, Karl-Heinz, Elvira sowie die Zwillinge Klaus und Dieter kamen zwischen 1924 und 1932 zur Welt.

Angefangen mit dem Tischlereiunternehmen hat es eigentlich mit dem Kauf diverser Werkzeuge bei einer am Kirchplatz ansässigen, aufgegeben kleinen Tischlerei. Geeignete Geschäftsräume wurden 1932 von dem Getreidehändler Harnisch am Marktplatz 2 angepachtet (mit einem durch Handschlag zugesicherten Vorkaufsrecht). Mit etwas Glück bekam das Ehepaar Döscher den Zuschlag vor dem Mitinteressenten, der Schlachterei Fahlke (jetzt Vornkahl). In diesem gepachteten Haus (damals im sölterschen Volksmund Mäuse- und Rattenburg genannt), in dem früher vorwiegend Getreide gelagert wurde, entstand dann die bekannte Tischlereiwerkstatt. Etwas später wurde dann eine, für die damalige Zeit hochmoderne, kombinierte Holzbearbeitungmaschine ohne den sonst üblichen Riemenantrieb angeschafft. Dies erleichterte dem “Ein Mann Betrieb” die schwere Arbeit um einiges. Nach Konkurs des Bankhauses Sievers, führte Else den kaufmännischen Bereich der Tischlerei. Auch nahm sie Werbeanzeigen für die Zeitung “Braunschweiger Neueste Nachrichten” entgegen, um sie dann an das Verlagshaus weiterzuleiteten. Um sich in Salzgitter zu integrieren, trat Charles dem ortsansässigen Segelfliegersportclub bei. Dies hatte natürlich auch zur Folge, dass die Segelfliegerkameraden ihn und seine Werkstatt bei Bau der ersten Segelflugzeuge in Anspruch nahmen.

Ca. 1938, zur Zeit des sogenannten “Sudeten-Gaus” wurde Charles Döscher zum zweiten Mal zum Militär eingezogen. Der Tischlereibetrieb ruhte in der nachfolgenden Zeit. Auch der angefangene Anbau der Werkstatt konnte nicht fertig gestellt werden. Um die monatliche Pacht zu bezahlen, nahm Else Döscher eine Arbeitsstelle als Bürokraft beim Getreidehändler Harnisch am Güterbahnhof an. Nach kurzer Zeit kam Charles nach Salzgitter-Bad zurück, um weniger Monate später, nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, abermals zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Erst 1942 kehrte er dann, da er nicht mehr “kriegsverwendungsfähig” (Alter 45 Jahre) war, in seinen Heimatort zurück. Nun konnte endlich die Tischlereiwerkstatt fertig gestellt werden. 3 Kriegsgefangene, jeweils aus Polen, Frankreich und Marocco wurden der Werkstatt auf Antrag als Arbeitshilfe zugeteilt. Auch das Hauptgebäude wurde umgebaut. Unter anderem baute man einen Luftschutzkeller aus und etwas später entstanden Verkaufsräume mit einem Schaufenster zum Marktplatz hin.

Die Familie verlegte ihre Wohnung in die 1.Etage und unter dem Dach wurden Fremdenzimmer eingerichtet. Als dann in der Nachkriegszeit die Flüchtlinge nach Salzgitter strömten und dadurch vermehrt Möbel benötigt wurden, erhielt die Firma Döscher wieder mehr Aufträge und es ging aufwärts. Durch private Schicksalsschläge geriet die Firma 1953 allerdings in Zahlungsschwierigkeiten. Glücklicherweise mietete der Kaufmann Replin die Verkaufsräume der Tischlerei an, um hier einen Textilladen einzurichten. Somit konnte durch die Mieteinnahmen die drohende Insolvents abgewendet werden. In den 50er und 60er Jahren wurde der Wohnungsbau, besonders in der Südstadt, stark vorangetrieben. Hier von profitierte auch die Firma Döscher durch entsprechende Aufträge und erholte sich finanziell. Das hatte aber auch zur Folge, dass die Räumlichkeiten der Werkstatt nicht mehr ausreichten. Anfang der 60er Jahre zog die Firma dann in eine leere Maschinenhalle der ehemaligen Weberei am Triftweg, heute Petershagener Straße, um. Nach ca. 6 Jahre, in der Zeit als die ersten Kunststofffenster auf den Markt kamen, reichten die Räumlichkeiten wiederum nicht aus und es erfolgte erneut ein Umzug in das neu geschaffene Gewerbegebiet an der Nord-Süd-Straße. Hier an der Dieselstraße hat dieses traditionsreiche Unternehmen bis heute seinen Firmensitz.

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