Die Sehnsuchtsbrücke

Die Sehnsuchtsbrücke

Als im Jahr 1856 Bad Salzgitter seinen Bahnanschluss erhielt, schnitten die Bahngleise vor allem den nordwestlichen Bereich Kniestedts von Salzgitter ab. Es wurde daher ein Bahnübergang mit Schranken von der damaligen Haverlahstraße zum Gittertor angelegt. 1938 wurde der Bahnhof von Salzgitter umfangreich erweitert, da es plötzlich erforderlich wurde, eine große Menge von Güterzügen abzufertigen Auf dem Gleiswege gelangte das Baumaterial für die auf Kniestedter Gebiet entstehenden Wohnsiedlungen. Auch eine Verladeanlage mit Ladestraße für die Erze aus dem Tagebau Finkenkuhle wurde erstellt. Weiterhin wurden Gleise zu den neuen Schächten in Ringelheim und Gitter gelegt. Als die Arbeiten auch im westlichen Teil des Bahnhofsgeländes einsetzten, wurde Anfang Februar 1938 der besagte Bahnübergang im Verlauf der Haverlaher Straße „vorläufig“ gesperrt. Am 27. Februar hieß es, dass die Sperrung längere Zeit andauern werde und am 4.März, die Sperrung sei endgültig. Diese Mitteilung rief umfangreiche Proteste bei den Bewohnern der getrennten Teile der Haverlaher Straße und auch der im Tagebau Finkenkuhle Beschäftigten aus Alt-Salzgitter hervor. Nun mussten sie Umwege über Kniestedt oder über die Brücke der damaligen Reichsstraße 248 bei Gitter machen. Besonders betroffen von der Schließung des Übergangs waren auch die Schulkinder.

Die Proteste führten dazu, dass der Rat von Salzgitter bei der Reichsbahn vorstellig wurde und die sofortige Wiederherstellung der Verbindung forderte. Die Reichsbahndirektion lenkte schließlich ein und versprach die Errichtung einer „Notbrücke für Fußgänger“. Am 18. Mai 1938 gab Bürgermeister Ahrens bekannt, dass zwischen der Haverlaher Straße und dem Gittertor westlich des alten Bahnübergangs eine vier Meter breite Fußgängerbrücke durch den zur Mechanischen Weberei gehörenden Garten gebaut wird. Die Erbauung werde das Baugeschäft Koch in Salzgitter übernehmen. Am 19. August 1938 wurde dann die neue Fußgängerbrücke dem Verkehr übergeben. Die Brücke ersparte den Bewohnern ein Umweg von mehr als einen Kilometer.

Doch wie kam es zu der Bezeichnung „Sehnsuchtsbrücke“? Man sagt, dass damals eine Bürgerin aus Salgitter die Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen, die um die Brücke kreisten, in einem Satz auf einem Schild am Eingang vom Gittertor her zusammenfasste: „Weg zur Sehnsuchtsbrücke“. Die Bezeichnung „Sehnsuchtsbrücke“ hat sich eingebürgert und bis heute erhalten.

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