Die St.Mariae-Jakobi Kirche

Die St.Mariae-Jakobi Kirche

Die erste Kirche in “Sollte to Gitere”, war die aus Holz erbaute Marienkirche. Sie entstand vermutlich um 1300 am Marienplatz an der Grenze der gitterschen Gemarkung. Als 1480 Barthold von Landsberg Bischof von Hildesheim wurde, verlangt dieser eine außerordentliche Biersteuer von seinen Untertanen, um die Schulden seines Fürstentums abzulösen. Da damals Bier neben dem täglichen Brot zum Hauptnahrungsmittel gehörte, entstand in der Bevölkerung ein Sturm der Entrüstung. Gegen die Einführung dieser Steuer stellten sich viele Städte, die dann einen Städtebund bildeten. Zu ihnen gehörten auch Braunschweig und Goslar. Salzgitter schloss sich diesem Bund nicht an und unterstütze seinen Landesherren Konrad II. von Schwicheldt aus Flachstöckheim, der als Stiftsmarschall treuer Anhänger des Hildesheimer Bischofs war. Im Jahre 1481 belagerten braunschweigische und goslarsche Bürger von der südniedersächsischen Städteallianz Salzgitter. Während dieser Belagerung wurde die aus festem Stein gefügte Vepstedter Jakobus-Kirche vor dem Vepstedter Tor zerstört und die hölzerne Marien-Kirche mit Pfeilen in Brand geschossen.

Conrad II. von Schwicheldt, der sich später für die Zerstörung der Kirche verantwortlich fühlte, ließ 1488 als Dank für die Treue Salzgitters in der Nähe der östlichen Wallanlage nach Kniestedt hin, eine neue Kirche errichten. In Erinnerung an die vernichtete Marienkirche und der Vöppstedter Jacobi-Kirche gab man ihr den Namen Mariae-Jacobi-Kirche. Der neue Standort der Kirche wurde bewusst im nahen Bereich des Stadtwalls ausgewählt. So war die aus Stein gebaute, ungewöhnlich starke Wehrkirche ein Teil der gesamten Verteidigungsanlage, die dem Schutz der Stadt und dem vor den Mauern entstanden Ort Petershagen (später Vorsalz) dienen sollte. Auch konnte man von hier die einzige, nicht durch sumpfiges Gebiet führende Zuwegung nach Salzgitter absichern. Die Südwand der Kirche bekam gotische Fenster, in die Nordwand, sowie in die fast 2 Meter starken Turmmauern wurden insgesamt 37 Schießscharten eingelassen. In den Turm der Kirche wurde eine bereits 1481 gegossene Glocke eingebracht. Die Inschrift auf dieser Glocke sollte an den Untergang der Marienkirche erinnern und wurde von Franz Zobel wie folgt übersetzt: “Es wütet der Feind, Unschuldige grausam tötend. St.Barbara, anaisapta Gottes, erbarme Dich meiner”.

Die ersten bauerhaltenden Maßnahmen am Gotteshaus wurden 1591 unter Superintendant Philipp Salzmann durchgeführt. Zur Finanzierung der erforderlichen Arbeiten erhält die Kirche von jedem auf den Jahrmärkten verkauftem Bierfass 5 Mariengroschen. 1671 wurden umfangreiche Dacherneuerungsarbeiten durchgeführt und 1707 ersetzte man das gotische Dachgestühl durch ein niedrigeres. Um 1817 befand sich die Kirche in einem desolaten Zustand. Grundlegende Umbauarbeiten, die mit hohen Schulden für die Gemeinde verbunden waren, erfolgten 1830. Die Innenräume wurden so umgebaut, dass nun 500 Sitzplätze vorhanden waren. Die reich verzierte Altarwand und der aus dem Jahr 1707 stammende Taufengel wurde entfernt. Das Dach wurde noch niedriger gelegt und die gotischen Fenster sowie die Schießscharten an der Nordseite wichen große Rundbogenfenster hannoversche Saalkirchen. Weiterhin wurden die Zugänge neu gestaltet. 1836 wurde der nördliche Turmgiebel durch einen Sturm abgerissen. Die notwendigen Reparaturarbeiten wurden erst 1838 durchgeführt. 1873 wurde die Sakristei angebaut. 1879 wurde das “Dannenbaumsche Haus” am Schützenplatz Ecke Kaiserstraße gekauft und als Superintendentur eingerichtet. Das alte Pfarrhaus in der Warnestraße 12 wurde an den Pferdehändler Schlüter veräußert. 1934 wurde in die Kirche eine Heizungsanlage eingebaut. Bei den hierfür erforderlichen Ausschachtungsarbeiten fand man unter dem Steinboden des Altars in 2 bis 3 Meter Tiefe ein Kindergrab und einen Sargeinsatz mit dem Skelett einer männlichen Leiche. Das zeugte davon, dass man in vergangenen Zeiten einige Bestattungen auch innerhalb des Gotteshauses vorgenommen hatte. 1935 wurde das aus der Konkursmasse der Firma Anton Raky stammende Haus am Altstadtweg 6 erworbenund als Pfarrhauseingerichtet.

1964 bis 1966 wurde Kirche und Turm umfassend erneuert. Die Seitenemporen und der Kanzelaltar wurden entfernt. Der Haupteingang wurde in die Nordwand des Turmes verlegt. 1966 geht der noch im städtischen Besitz befindliche Kirchturm in das Eigentum der Gemeinde über. 1988, zum 500jährigen Jubiläum wurde die Kirche nochmals umfangreich renoviert. Dieses Ereignis wurde dann im Rahmen des damaligen Altstadtfestes gefeiert und entsprechend gewürdigt. 1996 erhielt die gesamte Kirche einen neuen Außenputz. Einst wie heute ist der massige Turm der Wehrkirche das Wahrzeichen  der Altstadt von Salzgitter-Bad. Das ehrwürdige, evangelische Gotteshaus mit seiner über 500 jährigen Geschichte ist so ein bedeutender Zeitzeuge der bewegten Geschichte von Salzgitter-Bad.

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