Weihnachtliches Salzgitter

Weihnachtliches Salzgitter

Weihnachten steht vor der Tür. Während die Gedanken noch sehnsüchtig an den vergangenen, letzten warmen Tagen des Jahres hängen, sind die Regale in den Kaufhäusern bereits seit Mitte Oktober mit Lebkuchen, Schokoladen-Nikoläusen und Weihnachtsdekorationen bestückt. Wenn dann die Tage kürzer werden und die ersten Adventskerzen die Wohnstuben erleuchten, wenn es draußen schneit und fröstelt, dann lässt Weihnachten nicht mehr lange auf sich warten. Irgendwie liegt ein ganz besonderer Glanz über dieser Zeit – der vielleicht auch ein wenig von den Kerzen kommt, die in vielen Wohnungen leuchten. Man denkt an die vergangen Zeiten, in denen man mit Spannung und glänzenden Kinderaugen Weihnachten erlebt hat. Ging es früher in der Weihnachtszeit wohl eher beschaulicher zu, so verfällt man heute eher in Hektik und Einkaufsstress. Natürlich hat man früher wie heute auch in und um Salzgitter Weihnachten gefeiert. So gab es auf den Bauernhöfen im ländlichen Umfeld von Salzgitter vor gut 100 Jahren verschiedene Rituale. Anfang Dezember bzw. beim ersten Frost wurde der Grünkohl geerntet und die restlichen Zuckerrüben vom Feld geholt, der Bauer reinigte die Maschinen und Geräte, die Bäuerin begann mit ihren Mägden den Hausputz. Während Bauern und Knechte zum Holzschlagen in den Wald fuhren, kümmerte sich die Bäuerin um das Vieh und um die als Weihnachtsbraten vorgesehenen Gänse oder Enten. Man schnitt sich schon vorzeitig einen Kirschzweig („Barbarazweig“), der dann bis Heiligabend aufblühte oder auch ein Mistelzweig ersetzte den Weihnachtsbaum. Da Fichten lange vor dem Fest im Harz geordert werden mussten, konnten sich nur begüterte Familien einen Weihnachtsbaum leisten. Selbstverständlich wurde damals in der Vorweihnachtszeit auch gebacken. Zuckerkuchen und Prilleckenbälle durften auf keinen Fall fehlen.

Es gab auch „Plätzchen“ oder „Kringeln“ die zum Teil auch als Schmuck an den Weihnachtsstrauß oder an die Zweige des Weihnachtsbaumes gehängt wurden. Die Bescherung am Heiligabend fiel eher bescheiden aus. Die Kinder erhielten selbstgebasteltes Holzspielzeug und den Knechten und Mägden machte man eine Freude mit Arbeitsschuhen, Hemden und Bettwäsche. Alle auf dem Hof Beschäftigten gingen gemeinsam mit dem Bauern am Morgen des ersten Weihnachtstages zum Gottesdienst in die Dorfkirche. Anders ging es dann schon in der Stadt zu. So konnte man bei einem Gang durch die Straßen der Altstadt von Salzgitter- Bad in den Schaufenstern der Läden eine Fülle von praktischen, schönen und wohlschmeckenden Sachen bewundern. Warme Winter-Bekleidung erhielt man bei Bernheim in der Marktstraße, etwas teurere Taschenuhren konnte man bei Emil Meyer am Bankplatz (heute Klesmerplatz) oder beim Uhrmachermeister Puppel in der Warnestraße erwerben. Der Conditor W. Koch in der Töpferreihe oder Gottfried Klußmann am Bohlweg 1-2 bzw. Marktstraße 117 versorgte die Bevölkerung mit köstlichem Honigkuchen, Mohrenköpfen, Madarinen und Zuckerbildern. Bei E. Hermann am Bohlweg bekam man Haushaltswaren aus Zink, Kupfer und Blech und der Seilermeister H. Busch am Damm 101 verkaufte neben seiner Seilerware echtes Porzellan und Glaswaren zu günstigen Preisen. Keinen Wunsch offen ließ die Gemischtwaren-Handlung von August Stoot (Vater von Onkel Stoot) am Vöppstedter Tor. Es gab neben den Artikel des täglichen Lebens zum Beispiel Kübelbutter aus Galizien für die Hausbäckerei, französische Walnüsse und sizilianische Haselnüsse. Für die Herren der Schöpfung hielt Stoot ein umfangreiches Lager an Jagdwaffen und Revolvern bereit. Und wer vermeiden wollte, Kerzen mühsam per Hand aus einem Wachsstock zu formen, bediente sich an den Schachteln mit bunten Weihnachtslichtern. Am Heiligabend begab man sich nach der Bescherung und einem gemeinsamen Mahl, das vornehmlich aus Braunkohl und Brägenwurst bestand, mit dem Klang der Kirchenglocken um Mitternacht in das nahegelegene Gotteshaus.

Viel später, in der wirren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, war zu Weihnachten eine warme Mahlzeit bei weitem wichtiger als Geschenke – und als Weihnachtbaum musste in so manchen Stuben eine Laubsägearbeit aus Holz genügen. Aufwärts ging es dann wieder in den 60er und 70er Jahren. Die Badenser Kaufmannschaft versuchte „durch zentral gelenkte neuzeitliche Werbemaßnahmen“ aller Art das Einzugsgebiet (rund 40 umliegende Ortschaften) von Salzgitter-Bad zu aktivieren. So z.B. setzte man Bahnund Postbusse ein, um die Bevölkerung aus dem Umland zum Weihnachtseinkauf nach Salzgitter-Bad zu holen. Diese Aktion, die z.B. 1964 mit 20.000 Märchenwaldpostkarten publik gemachte wurde, fand bei den Bürgern großen Zuspruch. In der Stadt wurden die Schaufenster der Geschäfte sowie Straßen und Plätze festlich geschmückt. Es wurden Figurengruppen aufgestellt die verschiedene Märchen darstellten. Diese Figurengruppen standen an der Ecke Burgunden/Helenenstr., Ecke Breslauer Str./Braunschweiger Str., am Schützenplatz, am Bahnhof, am Klesmerplatz, Bohlweg, Kaiserstr. und an der Ecke Kaiserstr./Vöppstedter Tor. Die Straßen der Altstadt aber auch die Kniestedter Str. wurden mit Tannengrüngirlanden überspannt, an denen mehrere tausend Glühbirnen brannten. Und sogar auf dem im Süden liegenden Eichendorffplatz wurde ein großer Weihnachtsbaum aufgestellt. Der Höhepunkt war aber der zum Märchenwald umgestaltete damalige Kurgarten, der Kinder wie Erwachsene gleichermaßen erfreute.

Auch hier stellte man überall Märchenbilder auf und das ganze Gelände war mit Weihnachtsbäumen ausgeschmückt. Außerdem wurde bei jeder Figurengruppe von einem Tonband das betreffende Märchen erzählt. Und wenn es in der Vorweihnachtszeit schon geschneit hatte, fanden die Besucher hier eine einzigartige Winterlandschaft vor. Wenn es den Gästen im Laufe des Tages zu kalt wurde, begab man sich in das Kaufhaus Karstadt zum Aufwärmen. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch gleich das weihnachtliche Warenangebot begutachten. 1966 gab es erstmals keinen Märchenwald im Kurgarten. Es wurden aber Weihnachtsfiguren an verschiedenen Straßen aufgestellt, es gab ein großes Schlittengespann mit Weihnachtsmann auf dem Bahnhofsvorplatz und auch der Schützenplatz mit Karstadt und Verkehrspavillon war weiterhin weihnachtlich erleuchtet. In den 80er Jahren hat die Werbegemeinschaft von Salzgitter-Bad verhältnismäßig große Weihnachtsmärkte auf dem Marktplatz organisiert. So wurden z.B. am 23.12.1980 im Rahmen der beliebten Goldmünzenaktion Preise im Wert von 20.000,00 DM verlost. Später verlegte man den Weihnachtmarkt auf den Klesmerplatz. Es wurden kleine, optisch ansprechende Fachwerkhäuschen als Weihnachtsstände aufgebaut. Eine Vielzahl großer und kleiner Fichten umrahmte den kleinen Platz und vermittelte eine ganz eigene, gemütliche und stilvolle Atmosphäre. Es gab einen Drehorgelspieler und einem Laternenumzug durch die Altstadt. Es wurden heiße und kalte Getränke, Kartoffelpuffer und andere wärmende Speisen angeboten. In einer Fachwerkbude stellten verschiedene Kunsthandwerker ihre Arbeit vor. Für die kleinen Besucher stand ein Nostalgiekarussell und eine Schiffsschaukel bereit. Als Höhepunkt kann man wohl die 2003 aufgebaute Eislaufbahn bezeichnen. Sie war 12,50 Meter mal 30 Meter groß und stand entlang der Geschäftsfront Vorsalzer Straße/Klesmerplatz direkt neben der alten Kastanie. Mittlerweile kann man sich in der Vorweihnachtszeit jedes Jahr an etwa 150 in der Innenstadt aufgestellten Tannenbäumen erfreuen. Der Weihnachtmarkt ist wieder eingebettet in einen kleinen Winterwald und vermittelt ein weihnachtliches Ambiente.

So anheimelnd und beschaulich sich der heutige Weihnachtsmarkt den Besuchern auch präsentiert, die weihnachtlichen Gedanken vieler Salzgitteraner hängen doch noch an dem einzigartigen Märchenwald im ehemaligen Kurgarten.

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